Setze dich mit einer Tasse warmem Wasser oder Tee an einen festen Platz und beantworte drei Sätze: Was liegt an? Was liegt in meiner Kontrolle? Was verdient heute besondere Güte? Zehn Minuten genügen. Wähle ein Heft, das offen flach liegt, nutze eine Feder, die dich bremst, statt zu hetzen. Streiche die Überschriften einfach mit Bleistift an. Viele berichten, dass bereits nach einer Woche die Stimme im Kopf leiser wird und Entscheidungen klarer erscheinen, weil sie zuvor auf Papier geprüft wurden.
Menden, schärfen, kleben, ölen: Eine kurze Phase handwerklicher Fürsorge bringt den Geist in Fluss. Lege eine kleine Werkzeugrolle bereit und sammle kaputte Kleinigkeiten in einer Kiste. Dienstag oder Donnerstag, immer zur gleichen Zeit, wird repariert. Dabei verschiebt sich der Fokus vom Konsum zur Pflege. Wer sein Hab und Gut heilt, heilt oft auch die Ungeduld. Und es ist erstaunlich, wie eine wieder funktionierende Schere, ein geöltes Scharnier oder ein entwirrtes Kabel ein stilles Gefühl von Würde erzeugt.
Lösche helles Licht, zünde eine kleine Kerze an und stelle drei rückblickende Fragen: Was gelang? Was lernte mich? Wo möchte ich morgen anders handeln? Schreibe zwei bis drei Zeilen, nicht mehr. Das sanfte Licht signalisiert dem Nervensystem, dass Schluss ist. Telefone bleiben außerhalb des Raums, die Tür steht einen Spalt offen für frische Luft. Viele schlafen tiefer, wenn der Tag so beschlossen wird, weil Sorgen Worte bekommen und nicht unbemerkt im Körper kreisen.